The Wall: Feedback now

Mit selbstorganisierten Teams ist hochqualitative Zusammenarbeit unverzichtbar. Merkmale der Kommunikation eines gut funktionierenden Teams sind Ehrlichkeit, Offenheit, Direktheit. Aus dem einfachen Grund, dass es keine Zeit und keinen Platz für hidden agendas, unterschwellige Konflikte und geheime Bündnisse gibt.

Wenn man jahrelang gewohnt war in einer Organisation zu arbeiten, in der Themen wie Teamentwicklung, Aufgabenverteilung und Konfliktlösung Chefsache waren, dann kann es schwer fallen, plötzlich ehrlich und direkt mit seinen Mitmenschen zu kommunizieren.

Diese Übung ist ein guter Einstieg in einen neue Kommunikationsmodus, um zu erleben was Feedback ändert.

 

Das Setup:

In der Mitte des Raums wird eine Trennwand aufgesetzt (z.B. eine Pinnwand). Die „Wand“ sorgt dafür, dass beide Seiten sich nicht sehen können und dennoch problemlos hören.

Auf der anderen Seite steht ein einziger Stuhl, mit dem Rücken zur Wand (grün).Auf einer Seite wird ein Stuhlkreis formiert (die blauen Punkten auf dem Bild) und im Kreis kommt die Box oder der Beutel (beziehungsweise Umschlag) mit den Fragen (orange).

 

Hinweis:
  • Die Übung eignet sich in der Form für Gruppen von 3 bis 8 Teilnehmer. Bei größeren Gruppen fällt die Dynamik etwas flach.
  • Die Übung ist etwas „intimes“, also sollte sie in einem ruhigen Raum stattfinden, in dem die Gruppe weder visuell noch akustisch gestört wird (man kann auch Blätter oder Folien an die Fenster kleben)
  • Durch die Fragen kann man den Schwierigkeitsgrad der Übung einstellen (wenn es darum geht einem reifen Team zu helfen, verwenden wir andere Übungen wie z.B. „kurze Zettel, lange Zettel“ oder „Team-as-a-car“)
  • Wir empfehlen die „Rules of Feedback“ mindestens kurz zu erläutern, auch wenn es hier eigentlich nicht ganz um 1-1-Feedback geht
  • Die Methoden haben wir auch ein Paar Mal im Team-Stand-Up verwendet, dann spontan und ohne Wand oder Stühle
Und so läuft es ab:
  • der erste Teilnehmer (A) geht auf den einen Stuhl hinter der Wand, setzt sich hin und bleibt ab sofort stumm
  • die restlichen Teilnehmer ziehen ein Zettel (eine Frage) aus der Box und besprechen diese als Team laut
  • es geht nicht darum, dass sie eine einheitliche Antwort geben, sondern dass sie die Vielfalt ihrer Überlegungen und Eindrücken offen aussprechen
  • wenn alle der Meinung sind, die Frage ist ausreichend besprochen worden, ziehen sie den nächsten Zettel
  • nach X Minuten, endet die Übung für Teilnehmer (A), er steht auf, alle Zettel kommen in die Box zurück und die Übung fängt mit dem nächsten Teilnehmer von vorne an
Die Fragen:

Es gibt natürlich keine Standardfragen, die für alle Organisationen passen. Hier sind ein paar Beispielfragen, die wir für Teams einsetzen bei denen Feedback als kontinuierlich eingesetztes Werkzeug etwas Neues ist:

  • Man erkennt, dass du beim Stand-Up dabei bist, daran dass…
  • Eine Situation über die wir denken, dass du dich besonders wohl fühlt ist…
  • Wir denken, dass was dich besonders motiviert ist…
  • Was wir öfters bei dir beobachten, ist dass…
  • Wir glauben dir zu helfen, indem…
  • Wir denken, dass was dich besonders frustriert ist…
  • Eine Situation über die wir denken, dass du dich besonders unwohl fühlt ist…
  • Eine Situation, in der wir es nicht einfach finden, mit dir umzugehen, ist…
  • Etwas, was wir an dir besonders schätzen, ist…
Wirkung auf die Organisation

Obwohl es eher kontra-intuitiv ist, dass man jemandem Feedback gibt, ohne direkt mit der Person zu reden, hat diese Übung einen sehr besonderen Effekt für die Teilnehmer. Durch die visuelle Trennung und das „Redeverbot“ setz für den Zuhörer hinter der Wand volle Konzentration auf die Diskussion der Kollegen ein. Parallel und obwohl die Trennung „künstlich“ ist, fängt der Rest des Teams überraschend schnell an, ganz offen die Zettel zu besprechen. Dies führt dazu, dass viel mehr Nuancen und Ehrlichkeit in der Diskussion entstehen, was wiederum für den zuhörenden Teilnehmer schnell beeindruckend berührend wird.

In der Regel ist die Übung eine intensive Erfahrung bei der die Teilnehmer erleben, dass Feedback ein wertvolles Geschenk ist. Es macht es ab dann für Alle einfacher, aktiv nach Feedback zu fragen (ich will nochmal etwas lernen) und auch offenes Feedback zu geben (wir haben es schon mal gemeinsam gemacht).



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